Ghana – Begegnungen der anderen Art (Teil2)
Juni 3, 2007 von juvlai
Wie nicht anders zu erwarten war, erdrückte uns die Hitze schon am frühen Morgen, so dass man nur noch aufstehen und sich ein kühleres Plätzchen suchen konnte. Nach einem netten Frühstücksei getränkt in Palmöl, erhielten wir eine „kleine Führung“ durch das Gebiet unseres Gastgebers. Wir dachten eigentlich, dass wir innerhalb einer halben Stunde wieder zurück seien, jedoch führten uns die Einheimischen kleine versteckte Wege entlang zu den verschiedensten Farmerhäusern inmitten von Kakaoplantagen. Damit bekamen wir die einmalige Gelegenheit zu sehen, wie die Menschen arbeiten und ihren Tagesrhytmus um die Mittagszeit gestalten – denn umso wärmer es wir, desto weniger kann man tun. Umso ausgelaugter kamen wir dann auch nach rund zwei Stunden – und das in der Mittagszeit – wieder bei unserer Unterkunft an.
Nach diesem Trip hatten wir uns wirklich ein ausgedehntes Mittag verdient. Wir bekamen Fisch mit einer Art Couscous, sowie die Akwaba-Soße zu essen. Wirklich sehr sehr lecker
Danach ging es jedoch schon wieder los in ein anderes kleines Dorf, damit wir uns eine Schule – in Ghana besteht nämlich Schulpflicht – typisch ist. In diese Schule kommen die Kinder aus vielen Dörfern der Umgebung und wir bekamen erzählt, dass es über 250 Schüler gibt und für jedes Jahr eine eigene Klassenstufe. Dementsprechend groß war auch das neue Schulgebäude.
Zusätzlich zum Schulbesuch bekamen wir noch eine Ausführung über die gescheiterte Entwicklungshilfe in diesem Dorf – stellvertretend für ganz Ghana – erzählt. Ursprünglich sollten die Dorfbewohner Schnecken züchten, die sie dann nach ein paar Monaten essen konnten. Das Einzige, was sie dazu hätten tun müssen, war die Tiere einmal täglich zu füttern. Jedoch war es nicht gelungen, den Einwohnern klar zu machen, dass wenn sie jetzt ein wenig Zeit investieren, bald viel Essen haben würden, da diese den Gewinn an der Zeitinvestition nicht sehen – leider. Auch wurde uns von einer Entwicklungshelferin erzählt, die versuchte, die Öfen in den Dörfern mit einfachen Mitteln dahingehend zu optimieren, dass sie 2/3 weniger Hitze verlieren und somit weniger Feuerholz benötigt würde. Da es jedoch Tradition ist, mit „offenen Öfen“ zu Kochen, schlug auch dieses Projekt fehl. Kaum vorstellbar für einen Europäer, da wir den Schritt zum Interesse an Neuem bereits geschafft haben…
Als drittes Event an diesem Tag, fuhren wir noch in den Ankasa Nationalpark, wo wir eine kleine Führung vom anwesenden Primatologen bekamen. So liefen wir auf kleinsten Wegen, oder auch im Wald um umgestürzte Baumriesen herum und konnten die pflanzliche Vielfalt eines primären Regenwaldes bewundern. Besonders beeindrucken fand ich die „Walking Trees“, die einem wirklich das Gefühl vermitteln, als ob sie sich von der Stelle bewegen könnten. Aber auch die gigantischen Bäume mit den riesigen Brettwurzeln waren definitiv nicht zu verachten. Leider waren wir erst seht spät angekommen und hatten nur zwei Stunden für unsere Tour zur Verfügung. Außerdem sahen wir keine Tiere, hörten nur Vögelschlagen und sahen Elefantenspuren
Bei den Autos wieder angekommen, fing es auch prompt an zu gewittern, aber es nütze nichts, wir mussten wieder zu unserem Gastgeber. Durch den Sturm lagen schon große Äste und andere Dinge auf dem Weg und der Regen platschte uns nur so aufs Wagendach – aber wir haben es dank wagemutigem Einsatz unseres Fahrers, dann doch noch zum Quartier geschafft – wo schon wieder das Abendessen auf uns wartete – wieder Fufu – und ja, es schmeckte sogar besser, als den Abend zuvor *lach*. Es ist womöglich nur eine Frage der Gewöhnung.
Bevor wir am darauffolgenden Tag unsere Reise nach Kumasi fortsetzten, besichtigten wir noch den Lehrpfad, den die Schwester meines Freundes unter unmöglichen Bedingungen aus dem Boden gestampft hatte. Mit Korruption und verweigerter Hilfe ein Projekt durchzuziehen, wird alles doch ein wenig verlängert und vor allem zehrt es mehr als nötig, an den Nerven der Beteiligten…
Der Weg von Ankasa nach Kumasi war einer der Längsten und auch nervenaufreibendsten. Der erste Teil der Strecke war jedoch recht angenehm. Wir fuhren den Weg, den wir von Cape Coast gekommen waren, wieder an der Küste entlang und bogen dann nach Norden ab. Man kann sagen, dass damit ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft war, jedoch begann dann dass schlechte Stück mit überschwemmten Straßen und schreienden und bettelnden Kindern und zusätzlich noch nicht fertig gebauten Straßen, auf denen man teilweise nur 30 km/h fahren konnte. Und so kamen wir doch später an, als geplant – wenn ich mich recht erinnerte, dauerte die gesamte Fahrt an die 8-9 Stunden – und wieder einmal waren wir heilfroh eine Klimaanlange im Wagen gehabt zu haben.
Eigentlich war es unser Plan, in Kumasi angekommen, gleich zu unserer Unterkunft auf dem Unigelände zu fahren. Jedoch war der Stau in der Stadt so nervtötend, dass wir uns erstmal fürs Essen entschieden. Meine erste Zeit beim Inder, die ich richtig genossen habe!!! Abgesehen davon, dass dort absolut göttlich gewürzt wurde, hat alles einfach genial geschmeckt und nach dem anstrengenden Tag ja sowieso… Nach diesem Mahl machten wir uns dann durch die freie Stadt *hihi* zum Unigelände auf. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie abartig groß dass ist. Wir haben uns wirklich verfahren und ja – kamen dann leider etwas genervt, aber doch heile an.
Was uns in unseren Zimmern erwartete war der Wahnsinn. Alles sehr sauber, ordentlich und auch gemütlich und vor allem: der Strom funktionierte ohne Probleme und zusätzlich gab es noch fließend Wasser. Der reinste Traum – so gut hatte ich lange nicht mehr geschlafen. Dort blieben wir jedoch nur eine Nacht, da es nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Mole-Nationalpark war.
So hieß es also: früh aufstehen, damit wir noch vor dem Dunkelwerden im Norden ankommen. Der Weg aus Kumasi raus war wirklich die reinste Hölle: volle Straßen, schlechte Ausschilderung und unfertige Straßen nahmen für 10km rund 2 Stunden in Anspruch. Also wirklich die Hölle. Nach diesem Anfang glaubten wir nicht mehr daran, noch am selben Tag auch nur in die Nähe vom Nationalpark zu kommen. Außerdem hatte die Straßenkarte von Ghana ein kleines Skalenproblem, so dass die Höhen nicht mit in die Länge einbezogen wurden und der Weg noch fünf mal länger aussah, als er eigentlich war.
Wir wussten, dass wir auf dem Weg nach Mole unbedingt die letzte gute Tankstelle mitnehmen müssen, weil es im Norden nur noch improvisierte Tonnen gibt, bei denen man den Inhalt nicht eindeutig bestimmen kann. Also tankten wir dann auch irgendwann, jedoch mit der Hoffnung, dass im Norden dann doch noch irgendwo eine Tankstelle verfügbar sei. Leider wurde unsere Hoffnung enttäuscht und wir konnten uns glücklich schätzen, dass der Tank wenigstens noch rechtzeitig gefüllt wurde.
Umso weiter wir in den Norden kamen, las leider auch das Straßenangebot enorm nach und das einzige, was wir noch bekamen waren Mangos, von denen wir inzwischen die Nase voll hatten. Als kleine Zwischenration besorgten wir uns noch ein paar Kekse, aber dass war alles, was wir ergattern konnten. Außerdem änderte sich mit der Landschaft (inzwischen waren wir in der Strauchsavanne angekommen), auch die Bauweise der Hütten. Im Süden wurden die Hütten eckig und mit Bambusblättern als Dach gebaut, hingegen im Norden als kleine Rundhäuser und mit Strohdach. Es war wirklich interessant, diesen Gegensatz so eindeutig wahrnehmen zu können. Aber irgendwo ist es auch logisch, immerhin gibt es in einer Savanne kein Bambus und auch keine Palmen mehr…
Dummer Weise war das letzte Stück des Weges bis zum Nationalpark gar nicht mehr ausgebaut und es gab überall Rinnen von wahrscheinlich Räumfahrzeugen, die die Straße nach starken Regenfällen wieder befahrbar machten. Die mögliche Höchstgeschwindigkeit lag wohl bei 80km/h und wir brauchten für diese Strecke dann noch mal zwei Stündchen. Schon krass, wie schlechte Straßenverhältnisse das Ziel weiter entfernen lassen, lassen.
Jedoch waren wir noch früh genug da, um in einer kleinen Stadt namens Larabanga, noch einen kleinen Abstecher in die älteste Moschee des Landes machen zu können. Diese Moschee gehört sogar zum Weltkulturerbe und ist eine kleine Touristenattraktion im Norden Ghanas. Obwohl es schon ein wenig verwirrend war, weil man sich erst anmelden musste, jeder einem den Ort zeigen wollte und alle auch noch Geld dafür bekommen wollten. Undurchsichtig, aber irgendwie hat es zum Schluss doch noch geklappt. Neben der weißen stattlichen Moschee fiel aber auch noch auf, dass die Schulausbildung in dieser Stadt sehr gut ist, da selbst jüngere Kinder gutes Englisch konnten und sich die Kommunikation mit den Dorfangehörigen recht angenehm gestaltete. Mal ganz davon abgesehen, dass ich die ganzen Menschen sehr aufdringlich fand und mich sogar ein kleines Kind einfach an die Hand nahm. Ich muss zugeben, dass ich ein wenig damit überfordert war, da ich wusste, dass alle Ghanaer versuchen, ihre Töchter und Söhne mit Europäern zu verheiraten, damit ihnen eine gute Zukunft gesichert ist. Also dumm sind sie ja nicht *schmunzel*
Inzwischen wurde es auch dunkel und wir machten uns zu unserem endgültigen Ziel: dem Mole-Nationalpark auf, der nur noch wenige Kilometer von uns entfernt lag. Dort bezogen mein Freund und ich dann zu zweit ein Vierbett-Zimmer – total dekadent *lach* Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, eine Kissenschlacht zu machen, nur waren wir die Tage einfach so ko, dass wir diese einmalige Chance nicht wahrnehmen konnten.
Nach dem Einquartieren aßen wir noch gut am Pool zu Abend und gingen dann zu unseren Bungalows, die mitten im Nationalpark stehen. Neugierig wie wir nun mal sind, leuchteten wir natürlich auch mal ins Gebüsch und siehe da… da waren Augen… Das war eigentlich noch ganz in Ordnung, aber als das Tier aufstand, hatte ich eine Assoziation mit einer Raubkatze – mein Adrenalinspiegel stieg schlagartig an und ich wollte nur noch weg. Zum Glück stellte sich später raus, dass es lediglich eine Antilope war, aber ich war für den Abend trotzdem genug bedient.
