Freitag 29.09.2008 ~ 20 km zu Fuß
Der letzte Morgen beginn früh – zu früh für alle von uns, aber wir waren uns einig, dass wie die Zahnradbahn kurz nach 8 Uhr nehmen sollten (und das Kleingeld hatten wir auch schon besorgt). Auch die letzte Tour ging nur zu dritt los, da neben den Blasen sich nun auch noch Entzündungen an den Füßen gebildet hatten, so dass ein Laufen schier unmöglich war. Sehr schade, aber wohl nicht zu ändern.
Wieder mit einem Rucksack, einer Menge Jacken (und leider etwas zu wenig Wasser) und vielen Riegeln bewaffnet, setzten wir uns in die überfüllte Zahnradbahn, träumten vor uns hin. Mit der Meute stiegen wir aus und es schienen alle das gleiche Ziel zu haben: die Rote Route hinauf zum Rysy mit Start in Stbske Pleso (1355 m). Die erste Stunde bekamen wir alle nicht sonderlich viel mit, sondern versuchten uns ein wenig frei zu laufen. Außerdem war es eh etwas zu früh um sich zu unterhalten, oder irgendwie Notiz von der Umgebung zu nehmen. Nach rund einer Stunde erreichten wir den Abzweit zur blauen Route am See Popradske pleso. Wer sich hier super fühlt und zu wenig Gepäck hat, kann an diesem Abzweig Kohlen für die Hütte auf dem Rysy mitnehmen und bekommt oben einen Tee umsonst. Nette Idee an sich, aber uns reichte das Gepäck auch so schon
Ab hier hatten wir uns dann ein wenig von der Meute befreit und der Weg führte uns weiter durch das Tal Mengusovska dolina hindurch, von wo aus wir in die Krummholzschicht geführt wurden. Ab da ging es steil bergauf durch das Gebiet der Mengusovska dolina, jetzt jedoch auf dem roten Weg. Serpentinenartig zog sich der Weg den Geröllhang hinauf. Es waren sehr viele Menschen da: alte, junge, Gruppen, Menschen mit Wanderstöcken *klickklack*, langsame unwillige Menschen, die einen nicht vorbei liesen und andere, die einen schier überrannten. Also… wirklich abendteuerlich!
Wir kamen auch am See Zabie plesa (1919 m) vorbei, bevor wir den Klettersteig meisterten und zur Hütte Chata pod Rysmi (v rekostrukgii) kamen. Das ist die Hütte kurz unter dem Gipfel des Rysy (der einzige legale Grenzübergang zwischen Polen und der Slowakei in den Bergen – und er ist nur im Sommer geöffnet). Ab dem Klettersteig war es jedoch so feucht-kalt, dass wir unsere dicken Jacken herausholen mussten, damit wir nicht auskühlten. Wahnsinn, wie da ein paar Idioten im T-Shirt durch den Nebel stapften.
In der Hütte tranken wir einen heißen Becher Krümeltee für umgerechnet einen Euro. Der Preis hat uns wirklich erstaunt, denn bis dort hoch fährt schließlich kein Auto und die Waren werden von Menschen hochgetragen (haben wir mit eigenen Augen gesehen und ich dachte noch, dass da jemand Sachen illegal über die Grenze bringen will
). Außerdem war die Hütte auch an sich sehr klein, sehr gemütlich und familiär angehaucht (und es war gut zum Aufwärmen!). Aber das eigentliche Highlight war die Toilette: ein von außen und innen bemaltes Plumsklo mit einer Pleksiglasscheibe und daher einem unvergesslichen Ausblick auf die hinauflaufenden Menschen *lach*.
Nachdem wir etwas innere Wärme getankt hatten, stiegen wir noch das letzte Stück bis zum Gipfel hinauf. Hier trafen anscheinend alle Idioten auf einem Fleck zusammen (manachmal ist es wirklich krass, was für Leute den Aufstieg geschafft haben
). Hier musste man Hände benutzen und vorsichtig treten – gut, Einige der vielen Besucher hatten nicht so das Geschick und meinten Rennen zu müssen und traten teils große Brocken ab… Zum Glück passierte nichts!
Auf dem Gipfel angekommen war es immernoch neblig und man konnte nur erahnen, wo Polen denn nun eigentlich ist (prinzipiell hatte man schon Glück, wenn man die Leute drei Meter vor sich noch gesehen hat.). Oben angekommen stellten wir uns für ein Gipfelföteli an und waren froh, den Berg – Den Rysy!!! – doch noch geschafft zu haben. Und dann, kurz nachdem unser Foto im Kasten war, verzog sich innerhalb von zwei Minuten der ganze Nebel aus dem Tal auf der polnischen Seite und wir konnten den Czarny staw pod Rysami und den Morskie Oko glasklar erkennen und auch die Route, die wir ein paar Tage zuvor gelaufen waren. Einfach traumhaft – die Hohe Tatra hat sich in dem Moment von ihrer schönsten Seite gezeigt und uns gebührend verabschiedet
Auf dem Weg zurück zur Hütte (wo es nochmals einen Tee gab
), konnten wir dann auch noch das Tal Bielovodska dolina sehen und auch fast den schönsten Camping-Platz der Slowakei auf dem wir zwei Tage lang waren. Alles, wie extra für uns nochmal gemacht
Der Abstieg war der gleiche Weg wie der Aufstieg, von daher wussten wir schon, was uns erwartet. Und als wir endlich unten waren, stellten wir doch fest, dass wir ganz schön ko sind. Immerhin haben wir für eine 9 Stunden Tour nur 8 Stunden gebraucht und davon saßen wir auch noch eine Stunde in der Hütte *lach* – also doch schon ordentlich. Wir aßen dann zum letzten Mal Langosch und Mais, kauften ein und vielen dann fast augenblicklich ins Bett (naja, gekocht und gegessen haben wir auch noch
).
Auch die Vierte im Bunde hatte den Tag gut genutzt und sich soweit erholt, dass das Laufen wieder möglich war und umrundete den Strbske Pleso an diesem Tag